Politikverdrossenheit ist in aller Munde 
 
In Wirklichkeit haben wir eine Politikerverdrossenheit. Es wäre auch schlimm, denn ohne Politik geht gar nichts. Vielleicht fehlt es an einer redlichen politischen Kultur, die so noch nie da war? In Japan, sicher kein demokratisches Musterländle, tragen Manager - auch Repräsentanten nicht-gewählter politischer Macht - der Öffentlichkeit demütig und manchmal weinend ihre Niederlagen vor, dabei verdienen die Topmanager i.d.R. nicht viel mehr als eine Viertelmillionen Euro, da kommt man doch schon ins Grübeln, oder?

Nehmen Sie "Ihren" Politiker in die Pflicht. Es ist Ihr Recht. Sagt Ihnen ein Politiker, "vertrau mir, wähle mich" und sagt Ihnen nicht, was er machen wird, fragen Sie den Nächsten. Wenn "Ihr" Politiker Sie nach der Wahl nicht mehr ansieht, weil er hat, was er wollte, kriegt dieser Ihre Stimme nicht wieder. Nutzen Sie unbedingt den wenigen Einfluß, den Sie so nehmen können. Sie müssen als Wähler überzeugende und realistische Konzepte einfordern und später zumindest eine gute Erklärung für das Nicht-Erreichen verlangen und gegebenenfalls Ihre Konsequenz ziehen.

Sie können persönlich nicht politische Macht ausüben, außer Sie sind Mandatsträger. Treten Sie an den Politiker ihres Wahlkreises oder ihres Vertrauens heran, oder besser Sie sind gleich ein Lobbyist.

Solange Politiker sonstwas behaupten können, um sich so in ein Amt zu mogeln und keinerlei Konsequenzen für eine solche Täuschung folgen, wird die Politik nicht besser. Wenn gesagt wird, "och die lügen doch alle, da ist einer wie der andere, alle in einen Sack und mit dem Knüppel drauf, trifft immer den Richtigen" , dann nützt das irgendjemandem, Ihnen aber nichts. Sie werden so nur veräppelt! Lassen Sie sich nicht so billig entmündigen. Es geht nur darum, dass Sie bloss Ihrem Lager treu bleiben und nicht genau hingucken, aber genau das schadet Ihnen, denn es darf soviel Mist gebaut werden, wie man will, der Wähler verzeiht es ja. Nehmen Sie Ihren Favoriten nach der Wahl in die Pflicht und schiessen Sie ihn vor der Wahl in den Wind, wenn er nicht sagt, was er mit der von Ihnen geborgten Macht tun will.