»In der Politik möchte ich kreativ sein« 

Aus Liebe zur Kunst und Kultur gründete Christian Meinhold die Grünen in Hiddenhausen

Von Kathrin Brinkmann
Hiddenhausen (HK). Seine große Leidenschaft ist das Malen. Christian Meinhold, Landtagskandidat der Grünen, verbringt viele Stunden im Atelier. Dabei hatte der 63-Jährige nach einer künstlerischen Blockade schon fast mit dem Zeichnen abgeschlossen.C.Meinhold Nach dem Abitur am musischen Gymnasium in Detmold stand für Christian Meinhold fest, dass er Maler werden wollte. Die 18 Monate bei der Bundesmarine veränderten sein Leben jedoch schlagartig. »Danach war mein Draht zum Malen auf einmal völlig abgerissen. Ich habe vor der Leinwand gesessen und nicht mehr gewusst, wie ich das früher gemacht habe«, sagt der frei schaffende Künstler. Meinhold entschloss sich daraufhin, in München Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Philosophie zu studieren. Zusammen mit Edgar Selge, der heute aus der Krimiserie »Polizeiruf 110« bekannt ist, gründete er eine Theatergruppe. Mit einem Stück über die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie waren die jungen Schauspieler auf sämtlichen internationalen Studententheaterfestivals vertreten - so auch in Wroclaw, dem früheren Breslau: »Dort habe ich 1971 meine Frau Bogda kennengelernt.« Zusammen mit Mitstudenten rettete er die Fischauktionshalle in Hamburg vor dem Abriss. »Heute ist sie restauriert und das einzige Gebäude in Hamburg mit »Europa Nostra-Diplom«, so Meinhold. 1976 ging der gebürtige Herforder nach Polen, wo er an einem Theater als erster Ausländer Regie führte. »Am Tag der Premiere habe ich meine Frau geheiratet.« Nachdem das zweite von vier Kindern zur Welt gekommen war, entschied Meinhold 1980, dem Stadtleben in Hamburg eine ländliche Wohnidylle vorzuziehen. Mit der Familie zog er nach Lippinghausen, wo er von seinen Großeltern ein Grundstück geerbt hatte. Das Anwesen bereitete er in liebevoller Kleinarbeit selbst wieder auf und widmete sich der Gartenarbeit und der Tierpflege. Er fungierte sogar als Geburtshelfer bei einer Lämmergeburt. Und noch ein Wunder ermöglichte das Landleben: »1994 habe ich erstmals wieder einen Pinsel zur Hand genommen. Auf einmal konnte ich wieder malen!« Auch politisch schlug Meinhold neue Wege ein. 1984 wurde das einst von seinem Großvater Heinrich geführte Margarinewerk Meyer-Lippinghausen abgerissen. »Der Rat hat so entschieden, obwohl das Gebäude eigentlich denkmalschutzwürdig gewesen wäre«, sagt er. Dies war der Auslöser für Meinhold, die Grünen in Hiddenhausen zu gründen. Er zog in den Rat ein und übernahm den Vorsitz im Kulturausschuss, mit dem er das heute überregional bekannte Programm »Kultur in der Provinz« ins Leben rief. Der Erhalt der Museumsschule und des Hofs im Oetinghauser Dorfzentrum, an dem jedes Jahr das Dorfbrunnenfest gefeiert wird, gehen auf sein Konto. »In der Politik möchte ich genauso kreativ sein wie im Beruf. Ich möchte selber etwas schaffen und nicht nur in Sitzungen über Dinge abstimmen«, stellt Meinhold klar.

Westfalen-Blatt, Artikel vom 07.04.2010